Startseite arrow Projekte arrow Stadtkirche St. Maximi
Stadtkirche St. Maximi in Merseburg

Stadtkirche St. Maximi in MerseburgStadtkirche St. Maximi in MerseburgStadtkirche St. Maximi in Merseburg
Stadtkirche St. Maximi in MerseburgStadtkirche St. Maximi in MerseburgStadtkirche St. Maximi in Merseburg
Stadtkirche St. Maximi in MerseburgStadtkirche St. Maximi in MerseburgStadtkirche St. Maximi in Merseburg

Die Stadtkirche St. Maximi im hist. Zentrum Merseburgs, erste urkundliche Erwähnung 1247, wurde wahrscheinlich Ende des 10. Jhd. gegründet. Der bestehende Bau (1432 bis 80-ger Jahre) ist eine spätgotische Hallenkirche. Bei ihrer Erbauung wurde der romanische Vorgängerbau Stück um Stück ersetzt. Ende des 15. Jahrhunderts erhielt die Kirche ein Kreuzrippengewölbe. Reste bauzeitlicher Wand- und Gewölbemalerei (figürlich und ornamental) haben sich in Chor und Langhaus erhalten. Der wehrhafte romanische Westturm wurde zunächst beibehalten und erst 1867-1872, nach einem Entwurf des wohl bedeutendsten Schinkelschülers F. A. Stüler, durch einen neugotischen Turm ersetzt, dabei wurde das Langhaus um ein Joch nach Westen verlängert. Seit drei Jahren betreut unser Büro die Sanierungsarbeiten an der Stadtkirche. 1997 Erstellung eines umfangreichen Gutachtens, einschließlich Bauaufnahme und Schadensanalyse. Erste bauliche Maßnahme war die Planung und Durchführung eines zweiten Zugangs zum Kirchenschiff, einschließlich Windfangs. Die wichtigsten Bauabschnitte waren jedoch die Sanierungsarbeiten an dem einsturzgefährdeten Turmhelm und an dem schwammverseuchten Kirchenschiffdach.


Der Turm (Gesamthöhe ca. 70 m) wurde komplett aus Naturstein-Mauerwerk errichtet. In seinem unteren Teil besteht er aus einem Schaft auf quadratischem Grundriss (H ca. 33 m), darüber folgt die auf 2 Ebenen angelegte Türmerwohnung auf oktogonalem Grundriss (H ca. 8,5 m). Besonderes Charakteristikum ist jedoch das steinerne Raumtragwerk des ca. 28 m hohen, achteckigen Turmhelms, bei dem die Naturwerksteinplatten in an den Flanken der Rippen angeordneten Nuten eingeschoben und mit den Rippen verklammert wurden. Der Turmhelm wird durch je ein Drei- und ein Vierpaßband als Blendmaßwerk in einen oberen, mittleren und unteren Abschnitt gegliedert, wobei diese Bänder, vor allem die sie jeweils oben und unten begrenzenden Querriegel, die primäre Aussteifung der Rippen darstellen. 20 Fialen umgeben den Turm, der an der Spitze von einer 3.50 m hohen, aus drei Teilen zusammengesetzten Kreuzblume bekrönt wird. Die am Turmdach aufgetretenen, gravierenden Schäden sind eine Folge massiver Einwirkung von Schadstoffemissionen, insbesondere Schwefeldioxid, aus Kraftwerken und Chemiebetrieben in Leuna und Buna auf die reaktiven karbonatischen Mineralbestandteile der Naturwerksteine. Die äußere Oberfläche des Turmhelms zeigte einen sehr unterschiedlichen Verschmutzungsgrad. Die westlich ausgerichteten Seiten waren durch auftreffendes Regenwasser weitaus weniger verschmutzt als die Ost- bzw. östlichen Seiten. Die eisernen Verbindungsklammern zwischen Platten und Rippen haben ebenfalls Angriffspunkte für eindringendes Wasser durch Absprengungen und Risse geschaffen. Nach der notwendigen Auswechslung von 3 Sandsteinplatten im unteren Teil des Turmhelmes mussten sämtliche Fugen ausgeräumt und mit einem hoch sulfatbeständigen Mörtel neu verschlossen werden, da bei der Erbauung Zementmörtel zum Einsatz gekommen war. Nach Entfernung der schuppenartigen Abschalungen wurden die verbliebenen Platten mit verschiedenen Typen des Kieselsäureesters gefestigt. Vierungen aus optisch weitestgehend gleichem Naturstein und kleinere Ausbesserungen mit Steinersatzmasse haben die Fehlstellen, die durch das Ausarbeiten der Eisenklammern entstehen werden, geschlossen. Von den Rippen waren einige Teilstücke aufgrund minderer Steinqualität bzw. falschem Einbau ("auf Spalt") so stark aufgelöst, daß sie durch Neuteile ersetzt wurden. Die in der Mitte der Rippen befindlichen Eisendorne wurden in mühsamer Kleinarbeit ausgewechselt. Die innere Oberfläche des Turmhelmes war von einem schwarzen Belag überzogen, bei dem es sich größtenteils um abgestorbene Biomasse handelte. Durch die sehr hohe Kondensatfeuchte in dem fast unbelüfteten Raum konnten sich Algen ansiedeln und die Eisenklammern rosten. Nach dem Ersatz sämtlicher Eisenklammern wurden Schalen und Risse mit Injektionsmörtel verfestigt. Sämtliche Fugen mussten ausgeräumt und mit einem hoch sulfatbeständigen Fugenmörtel bündig verschlossen werden. Neuerstellte Öffnungen an Traufe und Spitze gewährleisten nun eine bessere Belüftung des Innenraumes. Es wurde versucht, soviel wie möglich von der Substanz der Kreuzblume und der Fialen zu erhalten. Dort wo Restaurierungsarbeiten wegen dem fortgeschrittenen Zerstörungsgrad versagten mussten Teile rekonstruiert werden. Sämtliche Verankerungen wurden ausgebaut und durch neue ersetzt. Ähnliche Schadensbilder wie Ablagerungen und offene Fugen fanden sich auch am Turmschaft. Auch hier mussten dringende Sanierungsarbeiten vergleichbarer Art vorgenommen werden Die bisher durchgeführten statischen Sicherungsarbeiten am Turmhelm haben noch nicht zur Rißberuhigung geführt. Aus diesem Grund wurde eine vom Statiker vorgegebene Spannanker-Konstruktion auf sieben Ebenen im unteren Drittel des Turmhelms eingebaut.

Das Dach des Kirchenschiffes, dessen Dachtragwerk aus dem späten 15. Jhd. stammt, ist ebenfalls dringend sanierungsbedürftig. Diverse Streben und Gegenstreben wurden ausgebaut und wahrscheinlich anderweitig verwendet. An der Holzkonstruktion kann noch genau die Schnittstelle der um 1872 durchgeführten Verlängerung rekonstruiert werden. An der nördlichen Traufe mussten bereits vor Jahrzehnten, evtl. schon anlässlich der den Turmneubau im 19. Jhd. begleitenden Erweiterung, alle ursprünglichen Balkenköpfe erneuert und mittels Laschen angeschuht werden. Weit fortgeschrittener, aktiver Befall von Echtem Hausschwamm macht einen Eingriff in die Konstruktion unumgänglich. Das bedeutet, daß 75%-80% aller Knotenpunkte an der Traufe durch Austausch des befallenen Holzes saniert werden müssen. Statische Ergänzungen sind ebenfalls erforderlich. Die defekte Dacheindeckung und die mangelhafte Luftumsp

ülung der Deckenbalkenköpfe hat zu dieser massiven Ausbreitung im gesamten Traufbereich wesentlich beigetragen. Eine Erneuerung der Dachdeckung einschl. Klempnerarbeiten bildet 2001 den Abschluß des 2. Bauabschnittes.