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Gemeindezentrum Querfurt

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Querfurt: Altes Pfarrhaus barrierefrei und ökologisch

 

Im Juni 2008 weihte die evangelischen Kirche in Querfurt ihr neues Gemeindezentrum im alten Pfarrhaus ein.

 

Das alte Querfurter Pfarrhaus hat schon viele bewegte Zeiten erlebt. Verschiedene Bauepochen hatten ihre Handschrift am Gebäude hinterlassen. Das unter Denkmalschutz stehende Pfarrhaus stammt in seinen Kernbereichen aus dem Mittelalter und wurde in den folgenden Jahrhunderten mehrfach an-, um- und überbaut. Ab Juni 2008 beherbergt es auf ca. 600 qm das neue Gemeindezentrum von ca. 40 Kirchengemeinden, die sich zu einem Kirchspiel zusammengeschlossen haben. Nach einer umfassenden Sanierung befindet sich im Erdgeschoss das Gemeindezentrum und im Obergeschoss ist eine großzügige Pfarrwohnung entstanden. Durch zwei moderne Anbauten wurde das historische Gebäude hofseitig ergänzt.

Das Architekturbüro Cronau & Kretzschmar aus Naumburg zeichnet für die Planung und Bauleitung dieses gelungenen Ensembles verantwortlich. Ihnen oblag die Aufgabe die Arbeiten von über 25 Handwerksfirmen aus der näheren und weiteren Umgebung auszuschreiben und zu überwachen. Umbauten und Erweiterungen an so einem hochkarätigen Denkmal bedürfen eines besonderen Engagements aller Beteiligten, da immer wieder mit Unvorhersehbarem gerechnet werden muss. Kein Anschluss, kein Detail kann routinemäßig abgearbeitet werden.

Das Pfarrhaus erfüllt im Erdgeschoss nun alle Anforderungen an ein modernes Gemeindezentrum. Es war eine echte Herausforderung alle Räume einschließlich dem Zugang zur großen Hoffläche barrierefrei zu gestalten, denn die Eingangsebene wies Niveauunterschiede von bis zu 80 Zentimetern auf. Der Fußboden wurde von Grund auf neu mit Betonplatte, Abdichtung und Wärmedämmung aufgebaut.  Es befinden sich hier nun ebenerdig ein großer und ein kleiner Saal für das Gemeindeleben, der Jugendtreff, Toilettenräume, ein Behinderten-WC, eine große Mehrzweckdiele und das Pfarrbüro. Ein schönes neues Foyer mit einer modernen Küche an der Schnittstelle zwischen Alt- und Neubau und damit zwischen beiden Sälen empfängt den Besucher. 

Im Obergeschoss wird der zukünftige Pfarrer mit seiner Familie wohnen. Ein neuer Dielenboden wurde verlegt und alle erhaltenswerten historischen Details an Türen, Treppen und dem zentralen Kamin sind von den Handwerkern liebevoll aufgearbeitet worden. Die mit Silikatfarben behandelten Wandflächen unterstreichen das historische Ambiente der Wohnung.

Der Dachstuhl des langgestreckten Altbaus erwies sich auf Grund einer alten Holzschutzbehandlung als hochgradig mit Hylotox kontaminiert. Da außerdem die Holzschädigungen gravierend waren, musste in Teilen ein neuer Dachstuhl unter Wiederverwendung alter Tragwerksglieder errichtet und neu eingedeckt werden. Verbliebene Holzteile wurden in einem aufwändigen Verfahren ausgewaschen. Der vorhandene zementhaltige Außenputz wurde komplett durch einen neuen Kalkputz, gemäß historischen Vorbildern, ersetzt. Zur grundlegenden Sanierung der Konstruktion gehörte auch die statische Sicherung eines Giebels und angrenzender Teilbereiche.

Ökologisches Bauen gehörten zu den obersten Prämissen des denkmalgerechten Innenausbaus. Die Decken zum Dachboden im Altbau und die Dächer der Anbauten   wurden mit umweltfreundlicher Zellulose-Dämmung ausgeblasen. Die bis zu einem Meter dicken Wände sind ausschließlich mit Kalk- und Lehmputz saniert worden und die Trockenlegung des Gebäudes wird durch eine umweltfreundliche Sockeltemperierung unterstützt. Die benötigte Wärme wird durch ein Blockheizkraftwerk bereitgestellt. Der erzeugte Strom wird an den Energieversorger verkauft und die Abwärme über einen Speicher durch das Heizungsrohrsystem geleitet. Mit der gleichzeitigen Erzeugung  von Strom und Wärme spart die Gemeinde gegenüber  einer konventionellen Versorgung 40% CO2 ein. Die Anlage wird sich in weniger als 10 Jahren amortisiert haben, da das Gemeindezentrum zukünftig deutlich geringere Betriebskosten haben wird.

Im Hof musste ein alter Schuppen einem neuen Saalanbau weichen. Die alten ca. 80 cm dicken Umfassungswände aus Naturstein wurden jedoch erhalten, saniert und zum Hof hin mit einer Glasfassade geschlossen, um interessante Ein- und Ausblicke zu gewähren, wenn sich hier die Christen aus dem großen Kirchspiel Querfurt treffen. Zur Erschließung des gesamten Gebäudes wurde ein zweigeschossiger Anbau, der mit einer Holzverschalung verkleidet ist, angefügt. Dadurch konnte die Wohnung im Obergeschoss durch eine offene Loggia aufgewertet werden. Die neuen Anbauten passen sich gut in die alten Gemäuer des Pfarrhauses ein und bilden mit ihnen ein harmonisches Ensemble.

Die gesamte Hoffläche wurde im Zuge der Baumaßnahme neu gestaltet. Neben Parkplätzen und Grünbereichen wurden Flächen für Feste geschaffen, um so zur öffentlichen Belebung des Gemeindezentrums beizutragen. Die Pflastersteine für die Außenanlagen stammen ganz aus der Nähe: Löbejüner Porphyr in charakteristischen, unverwechselbaren Rottönen.